Leute pushen

in meinem letzten Newsletter hatte ich den folgenden Beitrag geschrieben:
Im Netz sind Threads = Fäden zu finden (ein Netz besteht nun mal aus Fäden) in denen ausgiebig die Fähigkeiten mancher Taijiquan Meister diskutiert werden, mit Qi ihre Gegner / Partner aus dem Gelichgewicht, aus dem festen Stand zu bringen, zu werfen, zu schmeißen.
Ich habe meine eigenen Erfahrungen damit gemacht, sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite. Das Gefühl, plötzlich den Boden zu verlieren, wenn der Meister wirklich Qi einsetzt, ist unbeschreiblich. Dein Gegenüber ohne jegliche Kraft, ja fast ohne Kontakt mehrere Meter wegzustoßen, diese Gefühl ist auch unbeschreiblich. Mir ist es bisher nur drei Mal gelungen und jedesmal eher zufällig. Ich kann es nicht bewusst wiederholen und weiß auch nicht, wie ich es trainieren könnte.
Ab und zu schau ich mir ein paar Videos an,
Viel Spass.

Und erhielt dann von Ernst Krudl die folgende Antwort:
Mit „Qi“ jemand zu werfen ist genau so erläuternd wie zu sagen „Lieber Hl. Antonius hilf mir“. Die Vorstellungen was Qi ist, und was es hier sein könnte sind zu mannigfaltig.
Glaube auch, dass Du ja vielerlei trainierst, was hierfür hilfreich ist, vielleicht nur kein vollständiges System vorgefunden hast.
z.B. Listening in Dir selber und ihm anderen.
Wurzeln, Entspannen (song) in Struktur.
Im Video 1 gab’s ja Hinweise
Der gepushte hat keine Struktur um auch nur geringe Kräfte (die durchaus „gemein“ sein) aufnehmen zu können, lässt sich in eine Ecke verführen, erwartet einen Halt am anderen in der Bewegung, will zurück und in diesem kurzen Anspannen kann er gepusht werden, ...
Am Video sind das klar sichtbare äußere Bewegungen die benutzt werden.
Die Supermeister können diese Qualitäten durch innere Bewegung, Entspannungen, innere Feder, Schulterblatt „fällt“ runter, etc. etc. quasi ohne äußere Bewegung erzeugen, was für das „Hirn“ des gegenüber noch verwirrender
ist. Dass man ohne Kraft pushen kann würde ich nicht so sagen ;-) Humbug.
Keiner fliegt ohne Kraft durch die Gegend.
Es ist jedoch eine andere Qualität, weich, ohne Widersprüche, mühelos. Zusätzlich gibt es ja auch die Effekte, dass sich der gepushte noch selber pusht, durch unwillkürliche Kontraktionen.
 
Wenn ich es könnte, würde ich es so beschreiben:
Wenn Du mich pusht, tauche ich in Deine Kraft ein, nehme sie in meinen Körper um die Federn zu laden, und ein wenig in die Erde, wenn es zuviel ist.
Deine Kraft orientiert sich jetzt an meiner meine Wurzel, Deine löst sich schon auf, aber Du hast es noch nicht bemerkt.
Dein Hirn ist verzweifelt, mein Körper der sich Richtung Leere entspannt (= Entspannung mit mega gutem Timing), es findet meinen Körper, der doch so kompakt aussieht nicht. Panik. Die unwillkürlichen Kontraktionen starten, Du pusht dich selber weg. Die Federn in mir merken, dass Du weggehst und entladen sich in die gleiche Richtung in die Du ohnehin schon gehst.
Deine Kraft und Deine in mir gespeicherte wieder freigesetzte Kraft, das gibt einen guten Flug.
Gute Landung!

Nicht Sieg sollte der Sinn der Diskussion sein, sondern Gewinn.

Joseph Joubert

1 Kommentar:

christian auerbach hat gesagt…

lieber ernst krudel,
danke für den feinen beitrag, der meiner erfahrung sehr entspricht.

damit das beschriebene gelingt, ist eine feine abstimmung von bewußtsein und körper nötig, von willentlichem handeln und aufnehmendem wahrnehmen, von hingeben und planen, von gewollter bewegung und reflektorischen stabilisierungskräften, von langem üben und spontanem einlassen, von ziran (von allein so/natur) und kultivierung menschlicher kräfte.

wenn dies gelingt, dann besteht eine gute verbindung im organismus zwischen frühem und spätem himmel, erlerntem und ursprünglichem, physikalisch beschreibbaren bedingungen und einsatz der bewußtseinskräfte.

ich vermute, dies wird auch als ungehinderter qi-fluss bezeichnet (ohne auf heilige daoistischer oder christlicher prägung oder mystisch wabernde qi-energie-feinststoffe zurückzugreifen).
und dann fühlt es sich leicht, selbstverständlich und erstaunlich gut an....